Projektbeschreibung
Die KrimZ ist Teil des Spitzenforschungsclusters „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung (MOTRA)“, welches im Rahmen des Regierungsprogramms "Forschung für die zivile Sicherheit" von BMFTR, BMI und BMFSFJ finanziert wird und im Februar 2025 in die zweite Förderphase (02/2025-01/2028) gestartet ist.
Die KrimZ ist Partnerin einer breit angelegten Forschungskooperation. Beteiligt sind die Forschungsstelle „Terrorismus/Extremismus“ des Bundeskriminalamts (BKA), die Berghof Foundation in Berlin, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), der Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Hamburg (UHH), das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA), das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie und das Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie die Hochschule Fresenius (HSF) in Wiesbaden.
Der Fokus des Gesamtvorhabens liegt auf der interdisziplinären und phänomenübergreifenden Erfassung und Erforschung von Radikalisierung und Extremismus in Deutschland.
Das Teilvorhaben der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) befasst sich mit der Analyse von Akten aus Strafverfahren gegen extremistische und terroristische Straftäter*innen. Aufbauend auf die erste Förderperiode (12/2019-01/2025) werden die umfangreichen Aktenauswertungen zu Taten nach dem Terrorismusstrafrecht (§§ 89a-c, 91 StGB sowie §§ 129a-b StGB) fortgeführt und durch aktuelle Verfahren ergänzt. Ebenso wird der Datenbestand um Akten polizeilich registrierter Fälle politisch motivierter Gewaltkriminalität erweitert.
Neben der Fortführung und Erweiterung der Aktenauswertung aus dem ersten Förderzeitraum werden Prognoseinstrumente zur Beurteilung der weiteren Gefährlichkeit verurteilter Straftäter*innen anhand ausgewählter Verfahren erprobt. Mithilfe von Daten des Bundeszentralregisters wird schließlich in Kooperation mit und federführend von dem Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Göttingen die Rückfälligkeit nach strafrechtlichen Verurteilungen untersucht.
Die ausgewerteten Akten enthalten eine Fülle von Informationen über solche Fälle, die in Deutschland von Polizei und Strafverfolgungsbehörden ermittelt wurden. Dazu gehören auch Daten zur Biografie der beschuldigten Personen, die über bereits öffentlich bekannte Informationen hinausgehen. Zugleich dokumentieren die Akten, wie das Terrorismusstrafrecht in der Praxis angewandt wird. Insgesamt gestattet das Projekt damit eine Beschreibung der Strafrechtspraxis jenseits solcher Fälle, die ohnehin immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Zugleich liefert es Beiträge zur Erklärung terroristischer Straftaten.
Veröffentlichungen
Fecher, L., Hirth, M.-A., & Sobota, S. (2026). Von Hausarbeit bis zum geplanten Selbstmordattentat: Zu den Taten verurteilter Dschihadistinnen im In- und Ausland. In I. Holz, & S. G. Humer (Hrsg.), Extremistinnen und Terroristinnen: Rollen, Funktionen und Bedeutung von Frauen in Extremismus und Terrorismus (S. 181–202). De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783112206041-013
Fecher, L., Hirth, M.-A., & Sobota, S. (2026). Terroristische Tat und kriminelle Vergangenheit – Eine Spurensuche im Vorstrafenregister dschihadistischer Personen. In U. Kemmesies, P. Wetzels, B. Austin, C. Büscher, F. Grube, S. Hutter, T. Richter, D. Rieger, & S. Sobota (Hrsg.), MOTRA-Monitor 2024/25 (S. 375–398). MOTRA. https://www.motra.info/motra-monitor-2024-25/
Hirth, M.-A., & Fecher, L. (2026). Die Wahrnehmung kollektiver internationaler Marginalisierung von deutschen Muslim*innen und als Tatmotiv verurteilter Jihadist*innen: Ergebnisse aus Strafverfahrensaktenanalyse und Bevölkerungsbefragung. In R. Endtricht (Hrsg.), Extremistische Einstellungen in Deutschland: Verbreitungen, Einflussfaktoren und Trends (S. 285–314). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-50299-7_11
Dessecker, A., Fecher, L., & Hirth, M.-A. (2025). Zur Praxis des Terrorismusstrafrechts -Strafverfahrensaktenanalysen zum dschihadistischen Terrorismus. In U. Kemmesies, P. Wetzels, B. Austin, C. Büscher, A. Dessecker, S. Hutter, & D. Rieger (Hrsg.), MOTRA-Monitor 2023/24 (S. 286–309). MOTRA. https://www.motra.info/wp-content/uploads/2023/11/Ue1_K9.pdf
Dessecker, A., Fecher, L., Hirth, M.-A., Hofmann, R., & Muzaqi, L. (2024). Medien- und Technologienutzung durch jihadistische Straftäter*innen. MOTRA-Spotlight. MOTRA. https://doi.org/10.57671/motra-2024002
Fecher, L., Hirth, M.-A., Knäble, J., & Dessecker, A. (2024). „Für mich ist dieses Leben nichts wert“ – zu den Motiven jihadistischer Taten in Gerichtsurteilen. Kriminologie – Das Online-Journal, 4(6), 228–253. https://doi.org/10.18716/ojs/krimoj/2024.4.4
Fecher, L., & Hirth, M.-A. (2024). „Das Herumsitzen in ‚Verteidigungsstellungen‘ mitten im Buschland entsprach nicht ihrer Vorstellung von einem bewaffneten Jihad.“ – Distanzierungsmotive und -charakteristika ausgereister Jihadisten. In M. Rettenberger, S. Suhling, H. Brettel, & T. Görgen (Hrsg.), Kriminalität und ihre Kontrolle im Wandel: Festschrift für Axel Dessecker (S. 435–459). KrimZ.
Kanol, E., & Hirth, M.-A. (2024). Assessing the Validity of Open-Source Biographical Data in Terrorism Research. Terrorism and Political Violence, 37(6), 815–833. https://doi.org/10.1080/09546553.2024.2376631
Fecher, L., Hirth, M.-A., & Dessecker, A. (2023). Eine Einzelfallanalyse zu den Motiven jihadistischer Tathandlungen. In U. Kemmesies, P. Wetzels, B. Austin, C. Büscher, A. Dessecker, S. Hutter, & D. Rieger (Hrsg.), MOTRA-Monitor 2022 (S. 252–272). MOTRA. https://www.motra.info/wp-content/uploads/2023/11/Ue1_K9.pdf
Dessecker, A. (2023). Das Strafrecht angesichts neuer Formen von Terrorismus. Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, 135(2), 186–215. https://doi.org/10.1515/zstw-2023-0013
Dessecker, A., Fecher, L., Hirth, M.-A., & Knäble, J. (2023). Strafverfahren nach dem Terrorismusstrafrecht: zu einer empirischen Untersuchung der Tatmotive verurteilter Personen. In T. Bliesener, L. Deyerling, A. Dreißigacker, I. Henningsmeier, M. Neumann, J. Schemmel, C. P. Schröder, & L. Treskow (Hrsg.), Kriminalität und Kriminologie im Zeitalter der Digitalisierung (S. 229–242). Forum Verlag Godesberg. http://krimg.de/drupal/system/files/9783964100399.pdf
Dessecker, A., Fecher, L., Hirth, M.-A., Knäble, J., & Mischler, A. (2022). Analysen von Strafverfahren nach dem Terrorismusstrafrecht. In U. Kemmesies, P. Wetzels, B. Austin, C. Büscher, A. Dessecker, E. Grande, & D. Rieger (Hrsg.), MOTRA-Monitor 2021 (S. 282–301). MOTRA. https://www.motra.info/wp-content/uploads/2023/12/Analysen-von-Strafverfahren-nach-dem-Terrorismusstrafrecht.pdf
Dessecker, A., Mischler, A., Hoffmann, M.-A., & Wartwig, J. (2021): Vorüberlegungen zur empirischen Untersuchung des Terrorismusstrafrechts. In U. Kemmesies, P. Wetzels, B. Austin, A. Dessecker, E. Grande, I. Kusche, & D. Rieger (Hrsg.), MOTRA-Monitor 2020 (S. 168–187). MOTRA. https://www.motra.info/motra-monitor-2020/


