Expertise über Zusammenhänge zwischen Devianzbereitschaft, kriminellem Verhalten und Drogenmissbrauch

Die 1997 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit von der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden erstellte Expertise über "Zusammenhänge zwischen Devianzbereitschaft, kriminellem Verhalten und Drogenmissbrauch" stellt den Stand der einschlägigen Forschung zusammenfassend dar und analysiert ihn bezüglich des zukünftigen Forschungsbedarfs und möglicher Präventions- und Hilfestrategien in diesem Bereich. Die im Rahmen der Expertise ausgewerteten Untersuchungen lassen sich nach inhaltlichen Kriterien in vier verschiedene Gruppen unterteilen:

  • Untersuchungen zur Delinquenz Drogenabhängiger
  • Repräsentativerhebungen zur Devianzbereitschaft und zu Konsumerfahrungen
  • Untersuchungen über die Auswirkungen sog. "suchterhaltender" Behandlungsmaßnahmen, insbesondere der Methadon-Substitution
  • Anderweitige Untersuchungen, die wichtige Einzelaspekte der Themenstellung aufgreifen, z. B. zum Beigebrauch anderer Drogen oder zur Problematik weiblicher Drogenabhängiger

Die Expertise zeigt, dass Delinquenz und Sucht, Drogenkarriere und kriminelle Karriere nicht in einem erkennbaren kausalen Zusammenhang stehen, sondern vielmehr aus einem insgesamt als deviant zu bezeichnenden, von den sozialen Normen und Werten abweichenden Lebensstil erwachsen. Sozioökonomische Variablen und vor allem das direkte Umfeld erscheinen dabei als wesentliche Bedingungsfaktoren für beide Formen abweichenden Verhaltens. Demzufolge kommt vor allem einer früh ansetzenden Präventionsarbeit (Primärprävention) eine große Bedeutung zu. Entsprechende Schritte sollten jedoch stets auch durch die näher an den Problemen abweichenden Verhaltens liegenden zielgruppenspezifischen Maßnahmen im sekundären und tertiären Präventionsbereich ergänzt werden. Dabei kommt es zunächst darauf an, bereits bestehende Projekte und Aktivitäten systematisch fortzuentwickeln und sekundäranalytisch aufzuarbeiten, etwa im Rahmen von Evaluationsstudien.

Veröffentlichungen

  • Egg, Rudolf (Hrsg.) (1999). Drogenmissbrauch und Delinquenz: kriminologische Perspektiven und praktische Konsequenzen. (Berichte, Materialien, Arbeitspapiere aus der KrimZ; Heft 15). Wiesbaden: KrimZ.
  • Rautenberg, Marcus (1998). Zusammenhänge zwischen Devianzbereitschaft, kriminellem Verhalten und Drogenmißbrauch: Eine Expertise der Kriminologischen Zentralstelle e.V., Wiesbaden. (Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit; 103). Baden-Baden: Nomos Verl.-Ges.

(Einzelex. der Expertise von Marcus Rautenberg auf Anfrage erhältlich)