Fachtagung am 12. und 13. November 2015 in Wiesbaden

"Behandlung im Justizvollzug"

Tagungsleitung
Martin Rettenberger
Axel Dessecker

Seit beinahe 40 Jahren ist der Strafvollzug in Deutschland auf das Ziel der Resozialisierung ausgerichtet. Das Strafvollzugsgesetz fordert einen "Behandlungsvollzug", und alle Länder, die seit der Föderalismusreform eigene Gesetze eingeführt haben, halten daran fest. Damit entsprechen sie nicht zuletzt den Anforderungen des Grundgesetzes, die das Bundesverfassungsgericht entwickelt hat.
Doch wie weit reichen die Möglichkeiten der Behandlung? Wie gut funktioniert Behandlung bei unterschiedlichen Gruppen von Gefangenen? Welche Erfahrungen können verallgemeinert werden? Welche neuen Anforderungen sind zu berücksichtigen? Das sind einige der Fragen, die mit dieser Tagung aufgegriffen werden sollten.
Die Tagung begann mit einem wissenschaftlichen Überblicksvortrag zur Wirksamkeit von Behandlungsmaßnahmen (Friedrich Lösel). Es folgten Beiträge zur Motivierung in der Psychotherapie mit Sexualstraftätern (Fritjof von Franqué) und zur Begutachtung von Gewalt- und Sexualstraftätern (Reinhard Eher).
Am zweiten Tag ging es zunächst um den schwierigen Umgang mit Verurteilten, die ihre Taten gleichwohl dauerhaft bestreiten (Johann Endres). Mit den Themen "Sozialtherapie" (Hilde van den Boogaart) und "Sicherungsverwahrung" (Knut Sprenger) folgten zwei Bereiche des Justizvollzugs, die trotz unterschiedlicher Traditionen inzwischen beide mit besonders hohen Ansprüchen an Behandlungsprogramme verbunden sind. Schließlich wurden Erfahrungen mit forensischen Ambulanzen für ehemalige Gefangene aufgegriffen (Julia Sauter), die in den meisten Bundesländern ausgebaut werden.

Die Ergebnisse der Tagung werden 2016 in einem Band der KrimZ-eigenen Schriftenreihe "Kriminologie und Praxis" veröffentlicht.