Einige spektakuläre Kriminalfälle in den 90er Jahren hatten dazu geführt, dass Sexualkriminalität verstärkt in das öffentliche Blickfeld rückte, aus dem sie seitdem nicht mehr verschwunden ist. In der Folge kam es zu etlichen Gesetzesänderungen. In diesem Prozess, der wohl noch nicht abgeschlossen ist, ist eine sachliche, rationale Kriminalpolitik auf wissenschaftliche Erkenntnisse - etwa zum tatsächlichen Umfang von Sexualdelinquenz und zur Rückfälligkeit von Sexualstraftätern - angewiesen.
Da den amtlichen Rechtspflegestatistiken hierzu jedoch nur begrenzt Informationen zu entnehmen sind und frühere empirische Studien sich meist auf hochausgelesene Teilgruppen (z.B. Begutachtungsfälle oder Maßregelpatienten) bezogen und deshalb keine verallgemeinerbaren Aussagen erlaubten, führte die KrimZ im Auftrag ihrer Mitglieder ab Ende 1996 die bundesweit angelegte Studie "Legalbewährung und kriminelle Karrieren von Sexualstraftätern" durch. Deren Ergebnisse - die ergänzt werden durch eine Sonderauswertung zu jungen Sexualstraftätern sowie eine Sekundäranalyse angloamerikanischer Rückfalluntersuchungen - wurden in mehreren Bänden der Schriftenreihe "Kriminologie und Praxis" publiziert, zuletzt im Jahre 2004. Parallel begann die Folgestudie "Gefährliche Sexualstraftäter - Karriereverläufe und strafrechtliche Reaktionen".